Frischer Wind aus Brüssel: EU Kommission veröffentlicht Aktionsplan für nachhaltige Finanzierungen

Die Europäische Kommission hat am 08.03.2018 ihren Aktionsplan für nachhaltige Finanzierungen vorgestellt. Mit dem vorgelegten Aktionsplan („Nachhaltiges Wachstum finanzieren“) liegt ein ambitionierter und umfassender Plan vor, das Finanzsystem der Europäischen Union mit den spezifischen Bedürfnissen der europäischen und globalen Wirtschaft sowie mit der Umwelt und unserer Gesellschaft in Einklang zu bringen.

Insgesamt beruht der Aktionsplan auf drei Strategien:

  1. Eine Neuausrichtung der Kapitalströme in nachhaltige Investitionen, um ein nachhaltiges und inklusives Wachstum voranzutreiben.
  2. Die Berücksichtigung finanzieller Risiken aufgrund von Klimawandel, Umweltzerstörung und sozialen Problemen. Dazu sollen Nachhaltigkeitsaspekte zukünftig Einzug in das Risikomanagement finden.
  3. Transparenz und langfristiges Handeln soll auf den Finanzmärkten und in der Wirtschaft erhöht bzw. gefördert werden.

Der Aktionsplan ist angesichts der Tatsache, dass das Mandat der amtierenden Kommission in diesem Jahr ausläuft, äußerst ambitioniert. Die Kommission hat daher insgesamt 12 vorrangige Initiativen (Action 1-12) benannt und bereits festgelegt, in welcher Form und in welchem Zeitrahmen diese Initiativen umgesetzt werden sollen. Der Gesetzesvorschlag der Kommission zu einer Nachhaltigkeits-Taxonomie (Action 1) wird bereits im Mai 2018 erwartet.

Da bislang kein einheitlicher Begriff für nachhaltige Investitionen existiert, will die Kommission mit ihrer Nachhaltigkeits-Taxonomie ein Klassifikationssystem schaffen, das klar benennt, welche Aktivitäten als nachhaltig angesehen werden können. Auf dem Weg zu einem einheitlichen Verständnis wird die Kommission eine technische Expertengruppe benennen, die Leitlinien für Aktivitäten, die klimaschutzabmildernd und umwelt- bzw. sozialverträglich gelten, entwickeln wird.

Wir unterstützen ausdrücklich die Etablierung einer Nachhaltigkeits-Taxonomie, da dies ein wesentlicher Schritt ist, um innerhalb der Europäischen Union Präferenzen nachhaltiger Investitionen zu verstärken und damit die Kapitalströme in nachhaltige Investitionen zu lenken.

Die Nachhaltigkeits-Taxonomie wird die Grundlage für die Umsetzung mehrerer anderer in diesem Aktionsplan dargelegter Maßnahmen bilden. Es sollen Standards für „grüne“ Investmentprodukte und ein Label für „grüne“ Finanzprodukte eingeführt werden. Dies ermöglicht es Anlegern, Investments zu identifizieren, die bestimmte ökologische Kriterien erfüllen. Der Aktionsplan sieht ebenfalls die Implementierung einer Sustainability Benchmark sowie den Einbezug der Nachhaltigkeit bei der Finanzberatung und Beurteilung bzw. Rating sämtlicher Finanz- und Versicherungsprodukte vor.

Wir begrüßen die Entscheidung der Kommission, bis zum zweiten Quartal 2018 einen Gesetzesvorschlag zur Klärung der Pflichten der institutionellen Anleger und Vermögensverwalter im Hinblick auf Nachhaltigkeit vorzulegen. Damit will die Kommission sicherstellen, dass ESG-Faktoren zukünftig konsequent im Anlageprozess von institutionellen Anlegern und Vermögensverwaltern berücksichtigt werden.

Im Vorfeld wurde eine Absenkung der Eigenkapitalanforderungen für „grüne“ Investments vielfach diskutiert. Bei diesem Thema hat die Kommission im Moment einen sanfteren Ton gewählt und wird in den kommenden Monaten den sogenannten „grünen Unterstützungsfaktor“ für nachhaltige Anlagen überprüfen, ob er unter dem Risikoaspekt wirksam ist und gleichzeitig die finanzielle Stabilität gewährleistet.

Wir begrüßen den vorgelegten Aktionsplan außerordentlich und sehen die Bedeutung dieser Initiative für das Wachstum des gesamten Markts für nachhaltige Investments. Der Aktionsplan umfasst alle acht Empfehlungen aus dem Abschlussbericht der HLEG von Ende Januar 2018 und zeigt damit mehr Engagement bei diesem Thema, als bisher angenommen. Es ist jedoch anzumerken, dass die Kommission nur eine begrenzte Anzahl an Gesetzesvorschlägen einplant. Zusätzlich bleibt abzuwarten, wie die Kommission vor dem Ende der Legislaturperiode die Gesetzesvorschläge zur Taxonomie und der Implementierung von ESG-Faktoren in Treuhand- und Investorenpflichten abschließen will. Die Kommission steht nun vor der Herausforderung,  dafür zu sorgen, dass die Initiative durch den Gesetzesprozess in der EU, insbesondere des Rates, nicht an Fahrt verliert.